Samstag, 14. April 2018

Kompliziert

Es ist kompliziert, dieses Leben im Moment an vielerlei Stelle. Kompliziert und kraftraubend, bestürzend und sich viel zu schnell drehend. Zuviele Baustellen an zu vielen Fronten. Manches betrifft mich direkt, manches mittelbar und bei manchem bin ich einfach nur nah dran, auch wenn es mich -eigentlich- kaum betrifft. Vieles von all dem wirft Fragen auf und Sorgen, die sich immer mal wieder ins Unermessliche steigern, bis ich es irgendwie schaffe, diese wieder zu relativieren - oder stoisch zu akzeptieren - ohne momentan viel dagegen tun zu können.
Die Situation zu Hause ändert bleibt auf einem ähnlich schwierigen Level - das tagtägliche Zusammenleben mit der Mutter zeigt eben auch tagtäglich schwindende Strukturen. Schwindendes Wissen. Schwindende Fähigkeiten. Zunehmende Hilfsbedürftigkeit. Zunehmendes Verschwimmen der Lebensräume, Verlust meines, unseres eigenen Schutzraumes, wenn denn da überhaupt noch einer ist. Es ist selbstverständlich, dass ich da bin und dass ich mich kümmere. Aber dennoch gibt es Tage, an denen es schwer ist. Und ich weiß, dass es nur noch schwerer werden wird. Allein zu diesem Thema müsste ich vieles erledigen. Manches gelingt mir und meiner Schwester. Und vieles bleibt liegen. Weil wir neben unserer Mutter eine Familie haben. Einen Job. Ein Haus. Und vielerlei andere Dinge, die Zeit und Raum fordern. Wir machen. Und lassen liegen, was nicht all zu dringlich ist. Oder was wir einfach nicht mehr schaffen. Eigentlich renne ich nur hinterher und trage dennoch kaum etwas ab vom Aufgabenberg.
Der Erbstreit. Er nimmt skurrile Formen an. Und ich frage mich nach wie vor, wofür. Ich verstehe die Beweggründe nicht. Habgier? Rache? Jedenfalls erfordert auch dieser immer wieder Handeln. Er fordert mich heraus, begleitet meine Gedanken, läuft mir über die Bettdecke, auch wenn ich das gar kein bisschen möchte. Die Abgrenzung fällt schwer. Auch hier liegt alle Handlungsnotwendigkeit bei der Schwester und mir. Letztere ist derzeit beruflich aber so eingespannt, dass sie nur wenig übernehmen kann.
Mittendrin der leibliche Vater mit einem Schlaganfall. Das Outcome war wunderbarst, alles könnte gut sein. Wenn denn nicht bekannt wäre, woher der Schlaganfall gekommen ist. Der Großteil der hirnverorgenden Arterien ist verschlossen, in eine Arterie konnte ein Stent gelegt werden. Schleichend suchte sich das Blut über die Jahre Wege, wärhend die eigentlich wegweisenden Bahnen sich mehr und mehr verengten. Ein Pulverfass.
Es tun sich viele kleine Baustellen am Eigenheim auf, die allesamt ordentlich auf uns lasten. Zuerst die Feststellung, dass viele Versicherungsauflagen nicht eingehalten werden. Die Kündigung der zusätzlichen, gemieteten Garage (wegen Eigenbedarf), die ein großes Platzproblem mit sich bringt. Die Entdeckung eines großen Schimmelfleckes im Arbeitsraum im Keller an einer Außenwand. Einige Tage später eine weitere Schimmelentdeckung in der eigenen Garage, die mit hoher Wahrscheinlichkeit vom undichten Fallrohr herrührt, das zwischen unserem und dem Haus unseres Nachbarn nach unten geführt ist. 
Die nahende Kommunion des kleinen Kindes. Ein schönes Fest, ja. Aber es will auch gestemmt und organisiert sein. 
Die Situation am Arbeitsplatz ist ...  ich nenne es mal irgendwie unglücklich. Das wichtigste passt - ich arbeite gern mit meinen Patienten. Sehr gern. Aber das Klima am Arbeitsplatz selber ist schwierig. Bedingt durch das Arbeiten im Gesundheitswesen ansich, was einfach unglaublich viele Tücken birgt aufgrunddessen, dass Klinik mehr Wirtschaftsunternehmen denn Klinik ist. Es krangt überall. Wundersame Methoden zur Herstellung von angeblicher Transparenz, um Erfolge messbar zu machen und die Wirtschaftsecke zu füttern. Der Mensch ansich verschwindet hinter Zahlencodes. Mangelnde Bezahlung vieler. Solcherlei Kram. Darüber hinaus mein Status im Team, emotional zurückgezogen nach dem letztjährigen Desaster mit der direkten Chefin. Die komplette Trennung meines Privatlebens von allen, einfach weil es mir anders dort nicht mehr möglich ist.  Ich bin ganz gut abgegrenzt inzwischen, und prinzipiell ist es okay so. Leider aber beruht es auf einer der größeren menschlichen Enttäuschengen, die mir widerfahren sind und ich werde tagtäglich darauf gestoßen.
Das Leben mit Familie ist wunderschön. Aber all zu oft verlangt es mir viel ab; das Umgehen mit zwei Mädchen in und nahe an der Pubertät rauben - trotz aller Liebe - Kraft.
Der Partner einer besten Freundin erhielt gerade die fast sichere Diagnose Krebs. 
Mitten in all dem Durcheinander übe ich Abgrenzung gegenüber mir zwar lieben, aber energieraubenden Begegnungen. Ob diese Menschen deswegen auf der Strecke bleiben, weil ich sie zu arg vor den Kopf stoße, weiss ich nicht. Aber ich weiß, wenn dem so ist, dann war da nicht genug Tragfähigkeit. Und nicht genug Empathie in meine Richtung. Dann bin ich wohlmöglich traurig darüber, aber unterm Strich wird es richtig gewesen sein. Leicht fällt mir das nicht, mich belastet ein schlechtes Gewissen, selbst wenn ich stolz darauf bin, ehrlich gewesen zu sein und stolz darauf, meine Grenzen aufgezeigt zu haben. Aber auch das zehrt dennoch.
Ich bin leistungsfähig. Ich kann aushalten. Und in großen Teilen halte ich gerade gut aus. Ich suche einzelne Eckpunkte zum Ausgleich. Klitzekleine zwar, aber immerhin. Ich weiß dennoch, dass ich, selbst wenn es gerade gut funktioniert, nah am Limit bin. Ich weiß, dass ich noch lange nah am Limit gehen kann. Aber ich weiß auch, dass der Punkt kommen wird, wo ich nicht mehr können werde. Maßnahmen sind viele durchgesprochen, durchgekaut. Ich mit mir, dem Gatten, meinem behandelnden Psychiater, meiner Therapeutin, Freundinnen. Unterm Strich mit demselben Ergebnis: mir sind die Hände gebunden, es bleibt einfach kaum mehr als weitermachen, es gibt keine wirklichen Alternativen. 
All dies zusammen laugt mich aus, im Innern und körperlich. Darüberhinaus - oder aufgrunddessen - halte ich mich an einer alten Bekannten fest, die meinem Körper die Masse raubt. Ich bin mir dessen mehr als bewusst, aber da sind gerade genug Fronten, an denen ich kämpfe. Hier kann ich derzeit keinen Kampf aufnehmen, sondern - erst mal - nur den Nutzen begrüßen, ihr Dasein akzeptieren und ein Fortschicken auf später vertagen.
Ich gehe weiter,  jeden Tag, Schritt für Schritt. Manchmal zügig und sicher, oft überfordert. Manchmal verzweifelt, zumeist mehr als resigniert, stets sorgenvoll. Aber mir bleibt keine Wahl, wie so vielen da draußen aus ganz verschiedenen Gründen auch.  Ich hoffe nur, dass ich irgendwann ankommen werde an einer Stelle voll Ruhe und Zuversicht.

Montag, 5. März 2018

WMDEDGT - März 2018

Frau Brüllen fragt, wie jeden fünften eines Monats: "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag"? Geboren wurde diese Weiterführung  nach dem Aufruf zu einer Tagebuchblogwoche von ihr vor einigen Jahren. Damals war ich dabei und auch heute mache ich gerne wieder mit.

Der Tag startet wie so typische Montage: ich habe schlecht und zu wenig geschlafen. Ein Weilchen vor mir haben sich HerrNebeL und das kleine Kindelein aus unserem Bett aufgerafft, ich falle dann eben daraus, als das grosse Kindelein sich bereits verabschiedet. Ein paar Minuten nach dem Aufstehen ist alles gut - ich schaffe es trotzdem nicht eher und bin froh, dass HerrNebeL die Morgenroutine mit den Kindern gemeinsam verbringt und ich eine Randfigur bleibe. Immerhin koche ich ihm heute den Kaffee für die Fahrt und nehm ihm so ein paar Minuten Vorbereitung ab. Man muss ja auch die kleinen Dinge sehen ;-).
Um viertel nach sieben verlassen auch HerrNebeL, das kleine Kindelein und ich das Haus. Ich fahre los zum Supermarkt und kaufe für die nächsten Tage in der Klinik ein: Kaffee, kalte Getränke, Milch und dergleichen. Auf der Hälfte der Fahrt zur Klinik klingelt mein Handy und HerrNebeL fragt, ob ich seinen Garagendrücker möglicherweise mitgenommen habe. Habe ich nicht, aber ich habe einen in seinem Auto liegenlassen, was IN der Garage steht. Der andere Drücker ist ebenso verschollen und die Garage ist mit dem Notschlüssel nicht aufzubekommen. Da ich da aber auch nichts weiter tun kann, fahre ich weiter zur Arbeit. Währenddessen leiht HerrNebeL sich spontan der Mini meiner Mutter (hochpraktisch, dass wir zusammen wohnen in diesem Falle) und schaffft das Kind noch rechtzeitig zur Schule und bringt auch 2 Stückchen der Regenbogentorte, die das große Kindelein gestern gebacken hat, noch bei der Freundin des kleines Kindes vorbei. Ich sitze derweil bereits umgezogen im Büro, checke meinen Tagesplan und plane die Therapien. Auf dem Weg zur Station mache ich mir noch einen Kaffee und habe dann eine kurze Übergabebesprechung mit dem Therapeutenteam, dem Arzt und einer Pflegekraft der Station. Hier kommen manchmal wunderliche Dinge ans Licht und derzeit schwanke ich quasi täglich zwischen hysterischem Lachen, dem Bestreben, bloß nicht weiter nachzudenken und ziemlich klaren Meinungsäußerungen. Ob die allerdings jemand hört oder ernst nimmt bin ich mir derzeit meistens nicht sicher. Ich halte mich nicht geschlossen, sondern sage immer wieder, was ich denke, aber darüber hinaus ist es eine gewisse Form von Selbstschutz, mir das alles nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. Hier könnte ich langwierige Diskussionen einfügen über das Gesundheitswesen als Wirtschaftsunternehmen, den Pflegekraftmangel, chaotische Teamzusstände, mangelnde Zusammenarbeit, Reduktion der Patientenindividualität auf Punkte- und Zeiterfassungssysteme undundund. Aber ich lasse es lieber, weil es zu nichts weiter führt als Frust. 
Von 09:00 bis 12:00 Uhr behandele ich Patienten auf der geschützten Station. Heute bedarf es zwischendurch immer wieder kleineren und größeren Sequenzen der Intervention nebenher - weil die eine Patientin permanent durch alle Zimmer läuft und dort Dinge verräumt oder mitnimmt - die ihr nicht gehören. Der andere Patient findet aufgrund von Orientierungsschwierigkeiten und nur noch sehr wenig Sehkraft sein Zimmer nicht und rollt mit dem Rollstuhl entsprechend aneckend ebenfalls durch viele Zimmer. Der dritte Patient ist aufgrund eines Keimes isoliert, kann das aber nicht behalten, verlässt mehrmals sein Zimmer und muss dann leider zurückgeschickt oder begleitet werden mit einer entsprechenden Erklärung. Zuletzt ist ein Patient sehr ungehalten, weil er nicht versteht, warum die Stationstüre verschlossen ist. Er droht mir im Gespräch vehement, dass er alle Anwesenden der Reihe nach verprügeln wird, die ihn hier festhalten. Nach einiger Zeit und einigen Worten lässt er sich aber dann doch darauf ein, Platz zu nehmen und erst mal auf das kommende Mitttagessen zu warten. Die (wiederholten) Erklärungen zu der geschützten Station sind nicht wirklich bei ihm angekommen - weil er selber keinerlei Wahrnehmung dazu hat, dass er aufgrund eines neurologischen Ereignisses erkrankt ist und er sich auch in keiner Form beeinträchtigt fühlt. Tatsächlich behält er nur, dass er in einer Klinik ist - aber auch das weiß er nicht immer. Würde er die Station verlassen können, würde er auch die Klinik verlassen. Allerdings wüsste er weder, wo er wäre, noch wo er hinmüsste - selbst wenn er klar benennen könnte, dass er nach Hause will. Manchmal erinnert er die Stadt, in der er wohnt, oft ist es aber auch die falsche. Aber dass dem so ist, nimmt er auch nicht wahr. Aufgrund solcher durch neurologische Erkrankungen entstandene Eigengefährdungen ist unsere Station geschützt. Neben dem Löschen solcher Brände hier und da behandele ich mehrere Patienten in meinem Büro oder auf deren Zimmer. Im Regelfall - so auch heute - bin ich dabei insgesamt sehr entspannt und geduldig und mag es sogar sehr, auf dieser Station zu sein - auch wenn manches so durcheinander zu laufen scheint. Vor der Mittagspause kommt noch ein Patient von einer anderen Station zu mir. 
Mittags sind wir dann im Teamraum recht wenige Sprachtherapiekolleginnen, 3 haben regulär frei, 2 oder 3 weitere sind krank und die  anderen Kolleginnen verbringen die Pause anders oder haben bereits frei.
Anschließend gibt es eine einstündige Teambesprechung, in der wir mehr Zeit für den einzelnen Patienten aufwenden und auch nochmal über den Herrn sprechen, der schon seit einigen Tagen zunehmend agggressiver wird. Währenddessen schneiden wir einlaminiertes Therapiematerial aus - etwa 700 Karten im Spielkartenformat habe ich laminiert - aber alleine ausschneiden mag ich die nicht. Also helfen die ein oder andere Kollegin.
Danach habe ich noch zwei weitere Patienten, bevor ich dann noch kurze Dokumentationen am Rechner erledige. Bevor ich gehe, quatsche ich noch ein paar Minuten mit der lieben Kollegin. 
Heute fahre ich nicht das kleine Kindelein abholen, sondern muss zum Zahnarzt. Die im letzten Jahr begonnene Implantatversorgung kommt heute endlich zum Abschluss: nach einigen Jahren ohne große Backenzähne links unten werden diese heute dort eingesetzt. Bevor der Zahnarzt das allerdings macht, habe ich noch eine komplett unerwartete neue Füllung an dem Prämolar davor gewonnen - die Füllung schien nicht mehr ganz in Ordnung und der Doc machte Nägel mit Köpfen, weil er diesen Zahn später nur deutlich umständlicher würde füllen können. Nach den letzen Malen, wo zumeist eine Auszubildende mithalf und viele Abläufe völlig unrund waren, weil sie vielerei Erklärungen bedurften, behandelt mich heute ein komplett eingespieltes Team. An der Decke hängt ein Fernseher, auf dem unablässig Naturfilme gezeigt werden, was zwischendurch wirklich ziemlich entspannend ist. Nach einer Stunde ist der kleine Backenzahn gefüllt, die Schrauben in die Implantate eingeschraubt, die Brücke ist daraufgesetzt und einzementiert. Und wenn ich Glück habe, muss ich nun erst mal eine ganze Weile nicht mehr dorthin....
Bevor ich heimfahre, muss ich zwei Einschreiben aufgeben. Nach wie vor begleitet uns ein Erbstreit mit den leiblichen Kindern meines Vaters, der im letzten Sommer verstarb. Es ist zermürbend und es fällt mir ziemlich schwer, mich hier emotional zu distanzieren. Meist begleiten mich Gedanken dazu bei fast jedem Aufwachen, am Abend und oft auch auf den ruhigen Autofahrten, bei denen meine Gedanken Zeit und Raum haben, abzuschweifen und keiner gerichteten Konzentration bedürfen. Ich fürchte, dass das auch noch eine ziemliche Weile so bleiben wird. All zu oft frage ich mich, wie Menschen so wundersam sein können, so habgierig und hinterhältig. Mir fehlt vor allem der Vater und ich möchte die Dinge möglichst so regeln, wie er sie mir auftrug. Allerdings ist es manchmal schwer, genau daran nicht zu zerbrechen. Wenn all das einst ausgestanden sein wird, werde ich vermutlich eine große Party feiern.
Auf dem Heimweg beschließe ich spontan, mir ein paar Maki vom Sushi Mann meines Vertrauens zu gönnen. Hier ist es heute ziemlich leer (ich beschließe, ab jetzt nur noch montags her zu kommen - sonst wartet man auch gern mal eine Stunde auf Mitnahmegerichte), sodass ich um kurz nach sechs zeitgleich mit HerrnNebeL zu Hause ankomme. Die Garage ist inwzischen geöffnet . dank weiteren Versuchen mit dem Notschlüssel - und der zweite Garagenöffner ist auch wieder aufgetaucht - den hatte nämlich HerrNebeL selbst im Auto liegen lassen und die Garage gestern  mit einem Schalter geschlossen. 
Ich treffe im Haus auf zwei fernsehende Mädchen - die eine wurde von der Tante heimgebracht, die andere kam um 17 Uhr mit dem Bus von der Schule. Ich briet Schupfnudeln, welche die Kinder dann mit Zimt, Zucker und Apfelmus aßen. HerrNebeL nahm lieber den Streukäse.
Ich machte die ersten Kauversuche mit den Implantaten und meinem Sushi - alles noch sehr gewöhnungsbedürftig möchte ich mal sagen. Ich habe gar jetzt noch das Gefühl, dass da links unten etwas ist, was da einfach nicht hingehört. Aber das ist auch nicht verwunderlich nach vielen Jahren ohne Backenzähne. 
Ich beginne nach dem Essen zu bloggen und bringe zwischendurch das kleine Kindelein ins Bett. Das dauert eine ausgedachte Geschichte (mit immer denselben Protagonisten, die häufig Dinge angelehnt an das erleben, was wir oder das Kind hier auch erlebt hat/haben) und ein paar Lieder lang. Anschließend blogge ich weiter und bin inzwischen ziemlich genervt von neuen Mundgefühl und gönne mir deswegen ein Gläschen Wein, bevor ich gleich im Bett meinen trivialen Fantay Roman weiterlesen werde. 

Weiter Tagebucheinträge finden sich wie immer hier.

Montag, 12. Februar 2018

Ein Abend mit Herrn Bock

Gestern, da war ich hier und hab ihm, dem Markus, zugehört. Letztes Mal am selben Ort hat es irgendwie nicht gepasst, aber den 11. hatte ich mir schon lange auf den Kalender geschrieben.
Und es war ein schwerer Tag. Ein schwerer Tag, wie sie manchmal so sind, die Tage, an denen es etwas ruhiger wird. 
Ich hab es geschafft und bin irgendwann losgefahren. Ungeduscht - denn das Duschen hab ich nicht geschafft. Aber ganz ehrlich? Ich glaub, das hat einfach niemanden gestört, geschweige denn, dass es irgendwem aufgefallen wäre.

Fast eine Stunde vorher war ich da, und noch war das Cafe Eden ganz dunkel, auch wenn ich hinter dem Tresen wen sah. Ich ging ein paar Schritte weiter die Strasse entlang, auf der Suche nach einem Kaffee und fand ein nettes kleines Lokal, das "Kugelpudel". Der Kaffee wich dem Chai Latte und einer Kaffee Kola von Fritz. 
Um kurz nach halb sechs kehrte ich zurück und setzte mich ins Cafe Eden - und war stolz, es tatsächlich geschafft zu haben.
Es wurde voll, sehr voll. Und ich war froh, gemütlich auf einem Sessel sitzen zu können.


Ich weine nicht. Oder ich weine selten, ich weine fast niemals wegen mir. Nicht, weil ich nicht wollen würde, sondern weil ich es nicht kann. Es gibt Situationen, in denen ich weinen kann - das aber sind wenige und wenige Menschen kennen Tränen von mir wegen mir. Ich kann weinen wegen eines Todes, eines Verlustes. Ich kann weinen aus Freude. Ich kann weinen, weil mir jemand etwas Bewegendes erzählt von sich. Ich kann weinen vor Rührung. 
Aber ich kann nicht weinen aufgrund meiner inneren Traurigkeit, meiner inneren Aufruhr, meiner Verzweiflung, meiner Angst, meiner Ohnmacht. Ich kann nicht weinen, obwohl es so dunkel ist, kann nicht weinen, obwohl ich mein Leben als so wenig lebenswert erachte für mich. Kann nicht weinen, weil mir alles zuviel ist. Vor vielen Jahren schrieb ich, dass es ein ungeweintes Meer gäbe aus Tränen in mir. Und das ist wohl heute noch so.

Gestern aber, da liefen Tränen- Einfach so. Und das nicht nur einmal. Es waren Tränen, weil Markus mich berührte, mit dem, was er erzählte von sich. Aber eben auch, weil er anrührte, was in mir ist. Weil manches sich so gleicht. Und so weinte ich Tränen, die ihm galten, weil mich sein Schmerz berührte - und zugleich weinte ich meine eigenen. Es war okay, und es war auch gut. Nichts daran fühlte sich schlecht an. Ich konnte das einfach so hinnehmen und akzeptieren und zugleich war da nie auch nur der Hauch einer Gefahr, abzustürzen in den Abgrund, es gab nie die Gefahr, dass der Strom nicht versiegen würde, was viele, viele Jahre meine Angst war - wenn ich mir und den Tränen nur einmal nachgeben würde, so wäre ich verloren. War ich nicht. Kein bisschen. Und auch das war gut.

Markus sprach von radikaler Akzeptanz. Selbige lebe ich an vielerlei Stelle schon lange und habe gemerkt, dass ich da stolz drauf sein darf. Weil genau das gut ist. Keine radikale Akzeptanz, die am Weiterentwickeln hindern würde, sondern eine, die vor der inneren Niedermetzelei des eigenen Selbst schützt. Rückblickend gab es dieses Gemetzel lange in mir, als Jugendliche, als junge Erachsene und auch noch als gestandene Frau. Heute hat es sich beruhigt. Weil ich akzeptiere. Was nicht heisst, dass ich beispielsweise mein Verhalten nicht als negativ bewerten und einsehen kann, auch nicht, dass ich mich nicht entschuldigen kann, wenn ich anderen damit wehtue. Ich kann akzeptieren und nur aus eben dieser Akzeptanz heraus mich selber kritisch und konstruktiv hinterfragen und Konsequenzen ziehen. Und das ist wunderbar.

So vieles erschien mir gleich, so vieles ganz anders, so manches ähnelt sich. Jeder hat und trägt seine Geschichte, die doch aber häufig irgendwo irgendwelche Parallelen aufweist. Und es ist zum einen tröstlich, zu wissen, dass dem so ist und zum anderen wunderbar, dass Markus mit seinen Veranstaltungen dafür sorgt, dass dies in der Öffentlichkeit Raum hat. Nicht nur in der virtuellen Welt, nicht nur in der des geschriebenen Wortes, sondern in der Öffentlichkeit, in der  Gesichter sind. In der Begegnungen sind. In der Menschen sind, die betroffen sind, Menschen, die sich interessieren für das Thema Depression, aus vielerlei Grund. Und die aus eben diesem Grund zusammenkommen. Das finde ich toll.

Der Umgang mit dem Thema Suizid ist oft ein schwerer. Ich glaube, ich kenne kaum einen Menschen, in dessen Umfeld sich niemals jemand suizidiert hat. Suizid hat viele Schrecken. Und er ist meist ein Tabu Thema.  Dabei sind da so viele, denen der Gedanke daran nicht fremd ist. Und ja, ich war beeindruckt von Markus Umgang mit eben solchen Gedanken. Gedanken, die mich oft begleiten. Manchmal täglich. Und sicher darf ich mich glücklich schätzen, dass ich nicht ständig jeden Tag mit diesen Gedanken leben muss. Aber sie sind dennoch ein Teil von mir. Was aber noch lange nicht heisst, dass ich - auch in schlimmen Phasen - akut suizidal wäre.
Sinngemäß sagte Markus, dass ich von der Existenz der Gedanken an Suizid nicht sterbe.          Eben.  Sie können viele Funktionen haben, und ich bin sicher, dass dies sich von Mensch zu Mensch unterscheidet. Ob ich sie nun als Indikator dafür sehe, dass ich mich - dringend - um mich kümmern muss, oder ob ich sie akzeptiere und in irgendeiner Form anders darauf reagiere. Sprechen kann ich nur für mich an dieser Stelle. Ich bin mir ihrer bewusst und auch der hinter ihr verborgenen Sehnsucht. Ich bin mir auch bewusst, dass in mir viele Kontrollinstanzen sind, die mich im Leben halten und ich bin mir auch der Dinge bewusst, die mir das Leben lebenswert machen - selbst wenn ich sie oft nicht spüren kann. Aber ich weiß, welche das sind und muss vetrauen und vertraue darauf, dass es besser werden wird. Vielleicht nicht gut. Aber besser.  Wenn ich jedoch an Stellen käme, an denen Gedanken an den selbstgewählten Tod unangeschaut und unreflektiert in mir herumschwirren würden, so wäre die Gefahr der Umsetzung eine ungleich größere. 

Wie Markus bin ich auch ein Teil dankbar für die Depressionen, für den Weg, für das, was genau deswegen aus mir geworden ist. Ohne meine psychische Erkrankung wäre ich heute nicht die, die ich bin. Ich bin entfernt davon, mich lieb zu haben. Aber an vielen Stellen mag ich mich heute. An vielen Stellen finde ich mich, meine Ansichten, meine Empfindsamkeit, meine Empathie und manches andere wirklich gut. Und manchmal verteufele ich sie. Aber unterm Strich habe ich vieles gewonnen, weil ich mich durch so viele Dunkelheiten und Abgründe kämpfen musste. Ich habe bis hierher überlebt und werde das auch noch weiter tun. Und ich wünsche mir sehr, dass dieses Überleben irgendwann dauerhafter zu einem Leben wird. Denn es ist anstrengend. Fast jeden Tag kämpfe ich. Verschiedene Kämpfe, oder vielleicht auch ein und denselben Kampf, in dem ich aber  verschiedene Standpunkt einnehme. Ich kämpfe manchmal gegen die Welt da draussen. Meist aber kämpfe ich gegen mich, um einen Weg zu finden, in dieser Welt ankommen zu können. Oder um mir meine eigene, lebenswerte kleine Welt in dieser großen aufzubauen. Oder ich kämpfe mit dem Teil von mir, der erkrankt ist. Mit dem Teil, um mit eben diesem einen Platz in der Welt zu finden. Oder gegen diesen Teil, um dasselbe zu erreichen. Es ist verschieden, je nach dem, wie es gerade ist. Je nach dem, an welcher Stelle ich stehe. Der größere Teil des Kampfes heute ist der, mit der Erkrankung zu leben. Früher kämpfte ich fast ausnahmslos dagegen. Gegen alles. Heute akzeptiere ich oft. Und begrüße vieles wie alte Bekannte. Manchmal begrüße ich auch alte Freunde, die mich ein Stück begleiten, weil sie gekommen sind, um mein Überleben zu sichern. Weil sie eine Funktion haben. Und jedesmal, wenn sie vorbeikommen, bin ich - nachdem sie sich scheinbar von sich aus zurückziehen oder nachdem ich sie manchmal sanf verabschiedet, manchmal bestimmt rausgeworfen habe - ein Stück des Weges weitergegangen, meistens nach vorn. Nicht immer. Ich gehe auch zurück. Aber der Weg nach vorn ist unterm Strich meist der weitere.

Gestern habe ich innerlich den Kopf geschüttelt, als Markus eine Frage beantwortet hat. Ich sah es anders. Ist es eine Form von Glück, in der Lage zu sein, für sein Leben, für sein Glück zu kämpfen? Und es dadurch erreichen zu können? (Hier fehlt mir ein Teil der Antwort vielleicht, aber letzlich war das der in mir aufgenommene Sinn der Antwort).
Ich dachte nur, nein, das ist es nicht. Es ist anstrengend. Dieser immerwährende Kampf ist anstrengend. Mal mehr und mal weniger, unterm Strich aber eben Tag für Tag. Nein, das ist kein Glück.
Aber nachdenkend kann ich zustimmen. In der Lage zu sein, überhaupt kämpfen zu können und an mancher Stelle auch erfolgreich damit zu sein - kann glücklich machen. Es macht mich tatsächlich an vielen Stellen glücklich, oder vielleicht eher dankbar. Ein wenig glücklich sein ist dabei, aber ich glaube, die Dankbarkeit ist größer. Da ist - vor allem mit dem Glücksding - noch Luft nach oben, oft auch sehr viel Luft nach oben. Und dass eben dieser Kampf nicht anstrengend ist, hat niemand gesagt. Im Gegenteil. Aber es lohnt sich. Auch wenn das nicht immer zu sehen ist. Aber unterm Strich ist das so.

Da war noch so vieles mehr, was sich in mir bewegte und sich noch bewegt.
Dafür sage ich  Danke. Ein Danke, was vielschichtig ist. Und ein Danke, das ganz tief von Herzen kommt.

Und jeder der die Gelegenheit bekommt, ihm zuzuhören, sollte das tun finde ich.





Montag, 5. Februar 2018

WMDEDGT - Februar 2018

Frau Brüllen fragt, wie jeden fünften eines Monats:"Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag"? Geboren wurde diese Weiterführung  nach dem Aufruf zu einer Tagebuchblogwoche von ihr vor einigen Jahren. Damals war ich dabei und auch heute mache ich gerne wieder mit.

Verkorkst ohne nennenswerten Grund könnte ich zu heute  wohl sagen. Vielleicht erschließt sich mir der ja aber im Niederschreiben...
Der Tag startet per se schon mal fürchterlich:Weckerklingeln mit der Notwendigkeit, aufstehen zu müssen, obwohl ich mit Schlafen noch kein bißchen fertig bin. Auch wenn das ein Dauerzustand ist, so ist es halt eben jeden Tag ein blöder Start. Irgendwann aufgestanden geht es, aber bis dahin ist das Leben ansich nicht mein Freund. So eben auch heute. Beim Haus verlassen - gemeinsam mit dem kleinen Kindelein und dem Gatten (das große ist bereits mit dem Bus unterwegs) - wird es nicht besser: die Autos sind vereist. Wieder einmal muss ich tief atmen ob der Tasache, dass da ein tolles Auto völlig sinnfrei in der Garage rumsteht, nur weil die Kinder meines Stiefvaters gerade dabei sind, jedwedes Steinchen, was zu finden ist, rumzudrehen, um doch noch 3,50€ mehr vom Erbe des Mannes zu bekommen, mit dem quasi oder tatsächlich viele Jahre gar kein Kontakt bestand. Bis das geklärt sein wird, wird noch viel Zeit verstreichen - und der Wagen meines Vaters ungenutzt in der Garage rumstehen. Pure Verschwendung (des schönen Autos UND des Garagenplatzes). Und schon startet die gedankliche Dauerschleife, was dazu noch alles zu erledigen ist. Und zu bedenken. Und in Erfahrung zu bringen. Undundund. Noch dazu geht erst mal keine meiner Autotüren au,  und die Eisschicht ist kaum abzukriegen. Ein kleiner Lichtblick ist, dass HerrNebeL mir hilft, nachdem er aus seiner Garage gefahren kommt. Auf der Fahrt zur Arbeit gedankenschleife ich weiter vor mich hin, komme aber dank wieder funktionierendem Spotify mit netter, ruhiger Musik ein klein wenig in die Spur (und in die Melancholie Schleife. Ich habe die Musik offensichtlich doch nicht soo gut gewählt). Ausserdem wird es langsam hell, es ist klar und Morgennebel steigen von den Feldern auf. Ich bin versucht, kurz anzuhalten und ein Bild zu knipsen, verwerfe den Gedanken dann aber doch.
Später als gewollt am Arbeitsplatz habe ich erst mal ein fettes Loch in der Arbeitshosentasche und verliere fast meinen Schlüsselbund. Immerhin nur fast. Zum dritten Mal in einer Woche renne ich in die Wäschereiabteilung, um neue Arbeitskleidung für 6 zu holen - die Aufteilung untereinander funktioniert eben meist so... gar nicht. Da meine Hosen momentan hoffnungslos zu groß sind, suche ich kleinere - die aber alle zu kurz sind. Also laufe ich entweder rum wie ein Depp in zu kurzen Hosen oder wie ein Schlonz in weiter Schlabberkleidung. Insgesamt ist das am Ende aber nur halb so wild, weil wir eh alle... nun ja, nicht so nett ausehen, wie man eben aussehen könnte. Demnach ist das kleine bisschen Depp oder Schlonz auch egal.
In der Frühbesprechung gehts nach dem obligatorischen Gespräch über wichtige aktuelle Patientenbelange um den besiegelten Weggang einer lieben Kollegin. Wieder eine, die (auch) dem blöden System zum Opfer fällt. Dem System, das gute Mitarbeiter gar nicht halten möchte, weil es eben nicht bereit ist, Anreize zu bieten, vor allem in finanzieller Form. Mehr Bezahlung hieße weniger Gewinn. Gesundheitswesen als Wirtschaftsunternehmen. Um Patienten geht es da in der Regel nicht. Um Mitarbeiterzufriedenheit auch nicht. Bezahlung im Gesundheitswesen ist ... unterirdisch, vor allem wenn man jung ist. Nein, vielleicht nicht überall. Aber bei uns. Ich beschränke mich darauf, mich für die Kollegin zu freuen, weil sie quasi neben der Haustür arbeiten UND nach Tarif bezahlt werden wird. Gold wert. Fehlen wird sie mir dennoch, weil es eine ganz liebe und nette Kollegin ist, die zudem gut mit unseren Patienten umgehen kann. 
Der Tag will definitiv weiter düster bleiben, ich bemühe mich aber, genau das abzuschütteln, trinke den Kaffee aus und versuche mich dann pragmatisch am neuen Scanner System: jeder Patientenkontakt muss mit Scanner und individualisierten Barcodes abgescannt werden zur Leistungserfassung. Ich komme mir vor, wie an der Suopermarktkasse - es piept. Und piept. Ein Pfund Butter-piep, ein Kilo Mehl-piep, eine Flasche Cola - piep... Ach, nein, gar nicht. Frau X - piep, Herr Y- piep, Herr Z - piep. Nicht drüber nachdenken, einfach weiter. (Am Ende des Tages stellt sich eh raus, dass da nur 2 Patienten überhaupt qua Scan in meinem System gelandet sind. Klappt ja super.) Nach sieben Patienten, einem langen Gespräch über die drohende Notwendigkeit einer PEG (einer Magensonde durch die Bauchdecke) zur ausreichenden Flüssigkeitssubstitution und vielen großen und kleinen Dingen, die so nebenher laufen, später, wage ich erneut den frustranen Versuch, einen Sachverständigen zur Nachlassbewertung ans Telefon zu bekommen. Anschließend trinke ich einen Kaffee mit den Sprachtherapiekolleginnen, die heute da sind und mache mich anschließend auf zur Teambesprechung. Nach dieser piepe ich mit dem Scanner erneut, um die letzte Patientin in die gewünschte Leistungserfassung zu bringen. Die nach der Therapieeinheit folgenden 30 Minuten  Dokuzeit reichen wieder einmal hinten und vorne nur für die Hälfte dessen, was ich zu erledigen habe. Dementsprechend düse ich wieder mal kurz vor knapp vom Parkplatz und jage über die Autobahn, K2 von der Schule abzuholen. Ich schaff s pünktlich. 
Die Notwendigkeit, dass sich alle Teammitglieder am Überraschungskuchenenessen der Kollegin zum 60. Geburtstag zu beteiligen haben (an dem ich nicht mal anwesend bin), huschen wir noch "mal eben" in die Stadt, treffen dort das große Kind und suchen Tischdeko. Und werden nicht wirklich fündig, benötigen aber viel Zeit. Am Ende sind die Kassen im letzten Laden völlig voll, der Parkscheinautomat kaputt und wir verlassen das Parkhaus deswegen erst um etwa 17 Uhr 12. Es steht eine Heimfahrt von 12-15 Minuten an, ich muss noch Brot kaufen und eigentlich muss ich um 17:45 Uhr fünf Minuten vom Parkhaus entfernt - natürlich in dem Heimweg entgegengesetzter Richtung - sein.
Schweren Herzens cancele ich diesen Terminm - der zwar schaffbar, aber mir nun viel zu stressig geworden ist und fahre zum Bäcker und heim.
Die Kinder zanken daheim, im Hausflur stinkts riecht es nicht so richtig gut, und keiner findet heraus warum. Der Schwager entsorgte beinahe meinen einstmals geliebten, in einer Behindertenwerkstatt gewebten Wollteppich, das große Kind putzt zwar halbfreiwillig seine Winterschuhe - hätte diese aber auch komplett in der vollen Badewanne versenken können. Ich denke, nächsten Sonntag werden sie wieder trocken sein. Vielleicht. 
Natürlich waren alle Kinder später im Bett oder im Kinderzimmer als geplant und noch dazu darüber nicht so richtig amüsiert. Nun, so alles in allem bleibt der Eindruck eines vollen, verkorksten Tages wegen wohl vielerlei Kleinigkeiten. Morgen wirds vielleicht besser, immerhin habe ich abends eine Verabredung zum Singen. Wenn da nicht auch wieder etwas dazwischen kommt. 

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Donnerstag, 1. Februar 2018

So Gute Dinge

Neben all dem ganzen alltäglichen Durcheinander gibt es durchaus auch so ganz schön gute Dinge. 
Die beiden Kindelein vor allem. Selbstredend ist es durchaus oft laut und so ein klein wenig pubertierend gefärbt, wie soll es anders sein. Aber das ist eben auch son Alltagsding, was überall dazu gehört - und auch dazu gehören muss.
Es ist Zeugniszeit. Das kleine Kind hat sein Zeugnis bereits bekommen, weil der Übergang in die hohe Schule ansteht. Und ich bin mehr als dankbar. Nicht ausschließlich der tollen Noten wegen, sondern vor allem über die Art und Weise, wie sie in die Schule geht. Und zwar schon die gesamten drei Jahre ihrer Grundschulzeit. Sie ist unglaublich selbständig, organisiert und mitten im Thema. DIe Art des jahrgangsgemischten Unterrichts mit viel Freiarbeit hat dies zudem noch gefördert. Ich habe anfangs ein wenig mit geschaut auf die Ordnung im Ranzen, die Erledigung der Hausaufgaben, das Vorankommen in den Wochenplänen. Aber das habe ich schnell aufgegeben - weil es immer passte. Durchgehend. Ich habe ihr nie bei den Hausaufgaben ansich helfen müssen, sie nie erinnern müssen. Auch wenn es dazu Zeit in der Betreuung gibt, sehe ich die Aufgabe schon bei den Eltern, im Ganztag ist das ein zeitlicher Rahmen, aber keine helfende Betreuung in dem Sinne. Es war nehezu immer alles fertig. Und falls nicht, setzte sich das Fröschlein selbständig an den Schreibtisch und arbeitete nach. Bei Fragen kam sie auf uns zu - und das war selten.
Nun muss ich sie an der hohen Schule anmelden und ich bin wehmütig. Wurde das große Mädchen damals gefühlt so schnell - noch - größer. Und das kleine Mädchen ist doch noch so klein... Tatsächlich ist sie das ja auch im Altersvergleich, eben ein Jahr jünger als alle anderen. Und ich weiß, da kommt ganz viel Loslassen auf mich zu - und das ist wahrlich keine meiner Lieblingsbeschäftigungen.
Das große Kindelein bekommt morgen ihr Zeugnis. Ich werde es allerdings erst am Sonntag sehen, da morgen die Orchesterfahrt des Schulorchsters ansteht, direkt im Anschluss an den Unterricht. Aber auch hier erwarten wir keine sonderlichen Überraschungen. Sie war auch immer schon selbständig und fand zudem im letzten Jahr noch Gefallen daran, aktiv und selbstbestimmt hier und da etwas für den Unterricht zu tun und wurde belohnt - nicht nur was die Noten angeht sondern an vielerlei Stelle vor allem durch Zuspruch in der Schule. Sie kommt auch und bittet um Hilfe, wenn es nötig ist. Häufig ging sie damit zueltzt aber zum Opa - dem Vater von HerrnNebeL - und die beiden verbrachten Nachmittage lernend an deren Esstisch und hatten Freude daran.
Ich muss mich um nichts kümmern und bin auf die beiden Mädchen so unglaublich stolz. Alles was es schulischerseits zu jammern gäbe, wäre auf absolut höchstem Niveau - und mir fällt nicht mal etwas ein, keine Kleinigkeit, die ich  mir im Moment anders wünschen würde.
Das ist eigentlich ein kleines, aber irgendwo in Wahrheit ein riesengroßes Glück. 
   
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Mittwoch, 17. Januar 2018

So Sport

Ich bin eigentlich ein bekennender Sport Muffel. Eigentlich. Der Herzensport hat mir schon Spaß gemacht, aber so insgeheim gab es auch dort einen überdimensionierten Schweinehund. Aber beim Mannschaftssport konnte ich den ganz gut überwinden. Ich fand nur nie einen Alternativsport. In Ansätzen gefällt mir Rad fahren. Mountainbiken - in gemäßigtem Tempo. Aber die Berge und die Ausdauer - und der Schweinehund machen es mir nicht so leicht.
Nun gibt es aber ein Ziel. Einen Zeitpunkt im Sommer und viele Leute, die mit machen. Das Ziel ist ziemlich verrückt und ziemlich dreckig. Und irgendwann erzähl ich auch davon. Und dieses Ziel führt zu diversen regelmäßigen Sportverabredungen.

Gestern twitterte ich dies:



Und ging zum Sport. Und eigentlich lag ich da nur rum. Es war sogar auch ganz nett. Aber ich habe wirklich nur auf der Matte gelegen und n bisschen rumgehampelt.

Heute nun bin ich mir meines Rumpfes (und der Fehlentscheidung!!) recht bewusst. Und habe an so wundersamen Stellen offensichlichen Muskelkater, wo ich noch niemals Muskelkater hatte. Dass sich nach Crunches halt ein wenig Bauchmuskelkram einstellen würde, da war ich ja drauf gefasst. Aber die Rippen? Die Hüften? Mannomann.

Morgen geh ich da vermutlich verabredet erneut hin (Aber vielleicht stell ich einfach das Telefon und die Klingel aus und tu so, als wär ich gar nicht da). Auf Dauer könnte ich ja einfach  die Hoffnung hegen, dass das nach ein paar Malen möglicherweise keine schmerzhafte Rumpfbewusstheit mehr nach sich zieht. Raus komm ich aus der Nummer sowieso nicht mehr. Aber so ganz eigentlich soll das ja sogar gut sein, so Sport. Ich versuche in den nächsten Monaten dann mal, ein wenig Gefallen daran zu finden. Ich fürchte, das wird n hartes Ding.

Montag, 8. Januar 2018

Vom Übergang

Wir sind nun nicht so die großen Party Menschen. Vielleicht auch einfach nicht mehr. Und irgendwie war das letzte Jahr sicherlich keines der allerbesten. Und auch, wenn ich nix davon halte, das neue, kommende, noch unverbrauchte Jahr irgendwie zu glorifizieren aka  "alles wird besser", war ich eingestellt auf einen recht ruhigen Übergang im Kreis lieber Menschen. 
Aber so ganz kurzfristig änderte sich der Plan - und das war so gar keine Option für mich. Ich brach ziemlich zusammen und suchte, nachdem ich mich halbwegs gefangen hatte, Alternativen. Daheim bleiben wäre eine Option gewesen. So prinzipiell. Wenn wir denn alleine leben würden.  Alles in mir schrie aber nach Abstand, nach meinem Leben, nach meinen Wünschen. Und keine der noch bestehenden Alternativen passte.

Letzlich verbrachte ich den Übergang allein unter Fremden. Aber eigentlich vor allem allein mit mir. Im alten Gemäuer eines Landgutes, umgebaut zum recht großen Tagungshotel. Mit zwar vielen Zimmern - aber nahezu alle Gäste hatten ein Silvesterarrangement gebucht. Mit Frei Essen und Trinken, mit live Musik und Tanz und Bar. 
So war das bis 23.30 geöffnete Spa quasi meines. Und nach dem zweiten Versuch "Dinner for one" - auf NDR lief es tatsächlich in Farbe! Frevel - besuchte ich zwischen halb sieben und 23 Uhr mehrfach Sauna, Sole Sauna, Sole Dampfbad, die Ruheliegen, das Schwimmbad und wieder von vorn. Dabei las ich ein langes Buch und war einfach nur mit mir.
Gegen 23.45 Uhr setzte ich mich frisch geduscht und warm eingepackt in den langen gemauerten, überdachten Eingang mit meinem Piccolo aus der MiniBar vor eine Feuerschale und sah den in einiger Entfernung stehenden Menschen des Arrangements beim Wunderkerze halten zu. Diese gingen fast alle schnell wieder hinein, weil es arg kalt war und das kleine Schwarze dann doch recht dünn zum in der Kälte herumstehen.
Ich las weiter, trank noch ein Sektchen und setzte mich auf dem Weg zum Zimmer anschliessend noch ungeplant ein Stündchen vor dem Kamin, der auf dem Weg lag.

Ein halber Tag nur ich und meine Bedürfnisse. Nicht perfekt - aber schon ziemlich gut. Entstanden aus einem prinzipiell blöden Grund, aber ich habs gelöst. Gut gelöst. HerrNebeL war stolz auf mich, die Kinder haben mich ein wenig vermisst (aber nur ein wenig). Dennoch hatten alle anderen der Familie am ursprünglich geplanten Ort in erweiterter Besetzung einen sehr schönen Abend.

Ein kleiner Anfang vielleicht für ein bisschen mehr "ich" in meinem Leben.