Montag, 17. April 2017

Ferienstart

An einem der ersten gemeinsamen Ferientage ging die NebeL Familie in den Wald, ein wenig spazieren und geocachen. So ein wunderschönes hellgrün war an vielen Stellen zu sehen, es duftete nach Frühling und Frühlingsregen und war - trotz Stadtnähe -  schön still...


Unterwegs waren gar nicht so viele Menschen, eine kleine Reitergruppe mit Kindern, einige wenige  Menschen mit Hunden und eine Familie - noch dazu der Konrekor und Deutschlehrer des großen Kindeleins. Ein sehr netter und engagierter Mann, den wir alle sehr mögen. Tatsächlich hat er aber ein klein wenig fragend geschaut, aus wir bei deren Auftauchen - sie kamen um eine Ecke gebogen - ein kleines Logbuch sowie eine Dose schnell verschwinden ließen und ganz unschuldig taten - denn vermutlich handelte es sich bei ihm um einen "Geochache - Muggel"... Nach kurzer Begrüßung gingen die drei weiter. Als die Familie außer Sichtweise war, wurde dann weiter geloggt und die Dose wieder an Ort und Stelle versteckt.
Das kleine Kindelein findet geocachen eigentlich nicht so spannend. Zumindest, wenn man zu Hause plant und darüber redet, bald zum Geocachen aufzubrechen. Aber wehe, wir sind im Wald und der Cache ist nah! Oft ist sie die erste, die losläuft und sie fand an diesem Tag zwei von vier Caches. Und war sehr glücklich. Naja, fast... Wir Großen und das größere Kindelein haben einen Stempel, mit dem wir unseren Besuch "loggen". Beim ersten Cache war das kleinere Kindelein schon enttäuscht,dass sie eben keinen solchen besitzt.

Ob hier wohl was versteckt ist?





Auf dem Heimweg kamen wir hier vorbei, man kann prima die Lichtung im Bild hinten links sehen. Dort starten häufig  - wenn denn die thermischen Bedingungen das zulassen - Paraglyder, nur wenige Autominuten von der großen Stadt entfernt.


Und ein Stückchen weiter rechts sieht man diese beiden Wassertürme, in deren Nähe unser Haus steht. 


Ganz nah beim Auto fanden wir dann diese beiden netten Schilder, das eine verwachsen im alten Baum....


.... und das andere - ein zwar offizielles, aber veraltetes Wanderparkplatzschild. 1992 wurde das Bild darauf eigentlich ersetzt durch zwei Strichmännchen - Wanderer. Aber ich mag dies hier viel lieber.

Am Ende haben wir vier Dosen gehoben und zusätzlich nochmal zwei -die wir bereits beim letzten Mal fanden - nochmals besucht, um Bonus Koordinaten zu notieren, damit wir bald den Bonus Cache zu dieser Runde auch noch suchen können.

Mittwoch, 5. April 2017

Vom Vergessen

Es kam schleichend, das Vergessen. Gespräche wurden mehrmals geführt. Gehörtes vergessen. Aber nun, sie wird älter, dachte ich. Die Brille war hier und da. Aber - war meine das nicht auch allzu oft schon? Fragte ich doch so häufig früher (bevor ich die geliebte, obergemütliche superverglaste Brille hatte) HerrnNebeL, wo denn meine Brille sei. Ganz normal vielleicht?!
Dann kamen die Zettel. Mal hier und mal da. Der Kalender nahm an Wichtigkeit zu. Die Zettel auch. Manchmal auch mehrere Zettel zu ein und demselben Thema. Und - wundersamerweise verschwanden auch die Zettel. Und weiterhin die Brillen. Gezogene Parkscheine verschwanden auch - und sie musste mehr als mehrmals den Tagessatz an Parkgebühr zahlen. Aber ich doch auch schon mal. Das kann ja mal passieren. Oder? 
Irgendwann war das Schönreden nicht mehr möglich. Und ganz eigentlich wussten wir schon lange, dass es ein Schönreden war. Heute vergisst sie, das Licht zu löschen. Überall. Vergisst, die Garage zu schließen. Vergißt Termine, trotz Kalender. Trotz Zetteln. Nicht immer. Aber immer wieder. Gespräche werden zur kaputten Schallplatte. Mal mehr, mal weniger. Wenn sie ein Kindelein einsammeln soll, kann ich mich nicht mehr darauf verlassen. Ich rufe sie vorher an, bitte sie, noch dies und das mitzunehmen, wenn sie das Kind irgendwo abholt, kurz bevor sie fahren muss. 
Geschenke, die sie verstaut, bevor der Anlass des Schenkens da ist, sind oftmals verschollen. 
Die Zusammenstellung der Wäsche hat sich verändert. Kaum mehr Ordnung, ein ziemliches Durcheinander. Sie wäscht seit jeher viel, auch für uns. Jeder Widerstand war zwecklos. Heute aber verursacht das phasenweise mehr Chaos als alles andere. Manchmal wäscht sie ohne Waschmittel. Manchmal vergisst sie, die Wäsche einzuschalten. Und faltet später die "frische", jedoch die de facto ungewaschene Wäsche wieder zusammen. Manchmal ist aber auch alles gut. 
Ein großer Teil ihrer Tage besteht manchmal aus Suchen. Und wenn ein Ding aufgetaucht ist, so sucht sie das nächste.
Manchmal weiss sie selber, dass sie vergisst. Aber auch sie redet es sich schön. Bagatellisiert. Verdenken kann ich es ihr nicht. In solchen Momenten bin ich ehrlich, aber nicht schonungslos. In den meisten anderen Momenten ist alles, wie es ist. Ich konfrontiere nicht. Ich diskutiere nicht, ich gehe mit ihr, trage ein Stück Alltag in unserem Zusammenleben. Lösche die Lichter, kontrolliere manche Stelle, wasche und falte erneut, nehme Geschenke an mich und verstaue für sie. 
Noch ist sie nicht allein, noch hat ihr Alltag Struktur, noch ist ihr Mann nahezu immer da. Aber das wird sich ändern. Vielleicht ganz bald, vielleicht ein wenig später. Ich fürchte mich sowieso vor dieser Zeit. 
Aber die Zeit danach fürchte ich wohl erst recht - in der Annahme, dass das Vergessen dann noch mehr Vergessen sein wird, als es heute bereits ist.

WMDEDGT - April 2017

FrauBrüllen fragt wieder: "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag?" Mein Tag sieht heute so aus:

Ein normaler Arbeits- und Schultag im Hause NebeL. Der erste Wecker klingelt um 05:40, der letzte um 06:13. Nach der allgemeinen Morgenroutine verlässt das große Kindelein das Haus um sieben, ich folge ihr kurz danach und lade den Kofferraum voll mit Leergut. Um 07:20 stehe ich vor dem hiesigen Getränkeladen - der leider nicht wie der REWE, zu dem er gehört, bereits um 07:00 Uhr öffnet. Also fahre ich unverrichteter Dinge wieder ab in Richtung meiner Arbeitsstelle. Währenddessen wird HerrNebeL aufgebrochen sein, das kleine Mädchen zur Schule zu fahren. Ich kehre beim Bäcker ein, kaufe ein Laugengebäck und fahre dann durch Wald und Feld in die 20 km entfernte Stadt zur Klinik. Immer wieder genieße ich diese Fahrt, vor allem im Morgenlicht mit leicht aufsteigenden Nebeln. Ich überlege kurz, ein Foto zu schießen, aber an den Stellen wo es schön ist, bietet sich leider kaum eine Gelegenheit, anzuhalten. Also kein Foto für Sie :-). An der Ampel stehend versuche ich die mich seit einiger Zeit begleitende kleine Spinne nach draussen zu bugsieren, was zum wiederholten Mal leider nicht gelingt. Also bleibt sie weiterhin meine kleine Begleiterin. In der Klinik angekommen, kümmere ich mich zunächst um neue Arbeitskleidung für die Kolleginnen, die ihr Büro in meiner Nähe haben und mich. Die Wäschekammer ist nur begrenzt geöffnet und jeder kümmert sich mal darum.  Anschließend checke ich meinen Dienstplan: die zu behandelnden Patienten werden größtenteils von einem zentralen Planungsbüro auf die Kolleginnen verteilt. Heute kenne ich bis auf eine Dame alle Patienten und bereite die Therapiematerialien für den Tag vor. Die Zeit auf meiner Station muss ich selber in einem separaten Programm verplanen, was ich anschließend ebenfalls tue. Dann ist es Zeit, den ersten Kaffee zu machen, kurz mit Kolleginnen zu quatschen und nach oben auf die Station zu gehen. Der Stationsalltag startet dann mit einer ersten Besprechung zwischen Ärzten, Pflege und den Therapeuten aus verschiedenen Therapiebereichen. Am Vormittag behandele ich heute 6 Patienten, wobei sich herausstellt, dass die Ehefrau eines Patienten mit meiner Tante zur Schule gegangen sein muss. Das besonders Schöne daran ist, dass der Patient in der Lage ist, mir dies vollkommen verständlich mitzuteilen - obwohl er vor wenigen Wochen nichts weiter als "ja" zu sagen vermochte. 
Meine Mittagspause verbringe ich heute allein, da ich dringend einen Patienten beim Mittagessen begleiten muss und dies in dem Fall erst um 12:30 möglich ist. Ich stelle fest, dass es durchaus auch etwas für sich hat, beim Essen alleine im stillen Teamraum zu sitzen. Am Nachmittag folgen noch 4 weitere Patientenbehandlungen. Zwischendurch bereite ich noch etwas für den nahenden Abschied des Oberarztes vor. Zum Feierabend hin dokumentiere ich Verschiedenes, desinfiziere ein Kommunikationsgerät, was ich an einen Patienten ausgeliehen hatte und ziehe mich um. Wieder einmal gelingt es mir nicht so recht, die Klinik pünktlich zu verlassen - ich wundere mich wirklich oft über manche Kollegin, die 5-10 Minuten vor Dienstschluss umgezogen ist und quasi nur darauf wartet, das Haus zu verlassen. Oder es verlässt. Nun ja. So muss ich mich wieder beeilen - ich fahre wieder zurück durch Wald und Felder, komme an meinem Zuhause vorbei, düse aber weiter zur Schule des kleineren Mädchens. Meist ist das die Zeit am Tag, in der ich ein klein wenig abbaue und sehr müde werde. Es sei denn, es zeichnet sich ab, dass ich spät dran bin - dann bin ich eher aufgeregt. Während der Fahrt krabbelt wieder mein blinder Passagier über die innere Windschutzscheibe. Für eine weitere Rettungsaktion bleibt keine Zeit. Morgen vielleicht wieder. Ich komme fast pünktlich an der Schule an und sammele das Kindelein ein. Da das große Kind den Bus verpasst hat, besorgen das kleine Kind und ich drei kleine Eisbecher und fahren zum Mittwochstreffpunkt mit dem großen Kind - ihre Busstrecke liegt auf meinem Weg und so steigt sie aus, um mit uns gemeinsam heim zu fahren. Um zwanzig vor fünf sind wir zu Hause. Ein Kind geht draussen schaukeln, das andere Kind schnappt sich die angekommene Geolino Zeitung und liest. Ich trinke kurz einen Kaffee bei meinen Eltern. Meist bin ich ein wenig in Hab acht Stellung - wie auch heute - wenn ich heimkomme, weil sich immer wieder kleinere und größere Sorgendinge abzeichnen. Wie beispielsweise "frisch" zusammengefaltete, aber ungewaschene Wäsche. Verloren gegangene Verlegte  Geldbörsen, Parkscheine, Brillen oder Handtaschen sind sowieso an der Tagesordnung. Heute scheint alles gut bislang. Der Stiefvater war bereits unterwegs zur Bestrahlung, und die Mutter wird  um halb sechs von einer Freundin zum auswärtigen Abendessen abgeholt . Anschliessend fahre ich noch schnell los, das Leergut loszuwerden und Getränke für die Eltern zu besorgen. Das große Kind beginnt, ein Bananenbrot nach einem im Geolino entdeckten Rezept zu backen; das  kleine Kind verschwindet unter der Dusche. Mittendrin kommt HerrNebeL heim, es tönt etwa 12-14 23 Mal "Mama" oder "Mima" aus verschiedenen Räumen mit verschiedenen Anliegen.  Ich beschließe, dass es zum Abendessen eine Brotzeit gibt - mittwochs ist einer der wenigen Wochentage, an denen es zeitlich auch möglich wäre zu kochen - das passt meist aufgrund der diversen Nachmittagstermine nämlich nicht. Nach dem Abendessen wird HerrNebeL zum Sport gehen, ich werde irgendwie drei Tage zu je neun Stunden Kinderbetreuung für die nächste Woche organisieren müssen, weil die Kinder dann bereits Ferien haben - wir Eltern allerdings noch nicht. DIe Kinder werden von mir zu Bett gebracht, was heisst, dass ich eine Weile lang neben dem kleineren Mädchen liegen werde, bis sie eingeschlafen ist. Sollte ich dabei nicht selber einschlafen, gehe ich auch noch eine Weile zum großen Mädchen ins Bett.  Danach wird mich mein Sofa rufen - dank englischer Woche mit Fußball. Allerdings muss ich noch entscheiden, welches Spiel ich ansehen werde, da meine Favoriten bereits gestern gespielt haben. Irgendwann zwischen vermutlich 23:00 und 01:00 Uhr werde ich mit dem aktuellen Hörbuch einschlafen.

Weitere Tagebuchbloggerei findet sich hier.

Dienstag, 28. März 2017

Yogi Tee

Ich trank heute abend mit einer lieben Freundin einen Yogi Tee. Die Freundin und ich kennen uns nun seit 33 Jahren; zuerst begegneten wir uns mit neun, als wir gemeinsam drei Wochen im Sommer ins Zeltlager fuhren. Und fortan führte das Leben uns immer wieder zueinander, wenn unsere Wege sich getrennt hatten. Eine Weile nach dem Zeltlager besuchten wir dieselbe Schule in veschiedenen Jahrgängen. Es folgten weitere Zeltlager. Im jungen Erwachsenenalter fuhren wir als Gruppenleiter mit selbiger Organisation wieder ins Zeltlager. Jahre später trafen wir uns an der Uni in einer nahen großen Stadt wieder. Und studierten dasselbe in unterschiedlichen Semestern. Und noch viele Jahre später begann sie dort zu arbeiten, wo ich bereits eine Weile arbeitete und seither sind wir neben unserer Freundschaft auch Kolleginnen. 
Eine sehr bedeutsame Zeit in unserer Freundschaft war die Zeit, wo wir uns regelmäßig in einem Restaurant sahen. Ein klitzekleines indisches, mit wenigen Tischen, mitten im "Viertel". Sie arbeitete dort - und ich saß an der Theke und trank Yogi Tee. Wenn es ruhig war, hatten wir viel Zeit, miteinander zu reden, während sie Getränke bereitete oder Gläser polierte. Oft aber war es voll, was allerdings in keiner Form schlimm war. Ich war gerne dort, war nicht allein. Und ich hatte immer ein Blanko Buch dabei. Und schrieb. Ich schrieb viel zu der Zeit, so wie ich gerne schreibe. Worte, die scheinbar ohne Umwege über ein bewusstes Denken auf das Papier fließen. Worte, die ordnen. Worte, die mich mir näherbringen, wenn ich sie lese. Manchmal, damals auf jeden Fall, jedoch auch Worte, die mich selber bestürzten. Ich schrieb Dinge, die ich nicht zu denken wagte, Dinge, die ich nicht hätte benennen können. Schreibend fanden sie ihren Weg, den ich ihnen sprechend und auch denkend nicht geben konnte. Es war gut, in einem Rahmen schreiben zu können, der Struktur und Normalität gab, inmitten von Menschen, nahe an einer lieben Freundin. Wohlmöglich hätte ich mich sonst all zu oft verloren in dem Dunkel der Zeilen. Es waren schwere Zeiten. Meine Freundin war da. Immer. Und immer gab es diesen Tee dazu, der nur dort so schmeckte. Und heute schmeckte er noch ganz genauso - dasselbe Restaurant, an anderer Stelle, dieselben Leute, die ihn kochten. Und er ist so ein ganz zarter, dennoch bestimmter und vertrauter Seelenpfleger, dass es mir nun ganz warm ums Herz ist.

Sonntag, 26. März 2017

Kindermusik

Das große Kind verbrachte sein Wochenende auf der Freusburg. Eine frühmittelalterliche Burg im Siegerland, die seit vielen Jahren als Jugendherberge genutzt wird. Zum ersten Mal durfte sie an der Orchesterfahrt des Schulorchesters, dem sie seit etwa 1 1/2 Jahren angehört, teilnehmen. Sie kam mit sehr müden, aber leuchtenden Augen heim. Vier bis fünf Proben gab es am Tag und nebenher einen gemeinsamen langen Spaziergang, bunte Abende und viel Beisammensein. Wie sich das gehört, gab es für die zum ersten Mal teilnehmenden Mitglieder auch eine Taufe - was die Tüte nasser Anziehsachen im Koffer erklärt. Neben der Müdigkeit gabs noch leichte, weitere Blessuren - die Lippen des Kindes sind so viel Klarinettenspielerei am Tag nicht gewöhnt. Zudem war sie kaum vorher auf eine etwas höhere Blättchenstärke umgestiegen, was das Anblasen wohl auch verändert (fragen Sie nicht. Ich bin mehr der Streicher). Diese Fahrt bestätigte, was das Kindelein schon vorher erklärte: das gemeinsame Musizieren gefällt ihr momentan viel, viel mehr als der Unterricht. Und es fordert sie mehr. In der derzeitiegen Musikschule gibt es aber keine Gelegenheit zu gemeinsamem Spiel, kein Ensemble, kein Orchester. So haben wir uns spätestens heute nahezu komplett entschlossen, die Musikschule zu wechseln. Und ich hoffe sehr, dass es dem Kind wieder mehr Laune auch am Spielen allein zurückbringt. 
Ich weiss nicht mal mehr genau, seit wann sie Klarinette spielt, ich meine sie war neun, als sie begann. Wir hatten uns schon lange gewünscht, dass sie musiziert, vowiegend um einen alternativen Weg zu haben, Emotionen fließen zu lassen, auszudrücken. Natürlich auch der Wunsch, dass sie wirklich Spaß gewinnt an der Musik. Klarinette hat sie sich selber ausgesucht und wich nicht davon ab, auch nicht bei vielen Überredungsversuchen seitens der Großeltern, erst mit Blockflöte zu beginnen (die komplette Familie spielt außer der Piccolo Flöte wohl insgesamt alle Blockflötenarten). Letzlich kaufte sie sich damals einfach eine Flöte von ihrem Taschengeld mit dem Ziel, dass einfach mal alleine für sich zu machen und verfolgte den Klarinettenwunsch weiter, bis ein Platz frei wurde. Sie spielte tatsächlich eine Weile Blockflöte für sich und mit den Großeltern, bis dann die Klarinette irgendwann die einzige wurde.  Sehr schnell zeigte sich unserer Meinung nach eine ordentliche Musikalität, vor allem ein wahnsinniges Rhythmusgefühl. Die Stellen, die ich bereits mitzählen musste, gelangen dem Kind einfach so. Kein Zählen, kein Tippen mit dem Fuß, nichts. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie sie das macht. Sie liest die Noten - und spielt. Und ist im Takt. Und das ist bei zunehmender Komplexität der ganzen Geschichte irgendwie noch immer so. Sie scheint die Noten zu lesen wie ein Buch, sie zu verinnerlichen und wieder nach außen in die Klarinette zu bringen. Komplett bewundernswert. Seit längerer Zeit komme ich nicht mehr in den Genuß, das hier daheim zu hören - denn sie übt nicht. Nahezu nie. Nicht, weil sie es jetzt so gar nicht mehr mögen würde, sondern weil sie in der Regel all das kann, was ihr Lehrer von ihr fordert. Als ich ihn nach  der zweiten gemeinsamen Stunde (es gab einen Lehrerwechsel, weil der erste Lehrer nach seinem Studium zurück in die Heimat Korea ging) traf, begrüßte er mich mit den Worten: "Sie ist gut!" Das ist zweifelsohen schön zu hören - viel wichtiger jedoch ist mir, dass es ihr auch Spaß macht. Und das scheint einfach seit einer Weile im Unterricht nicht mehr so zu sein, auch wenn sie ihren Lehrer mag. Darum nun der Schritt in eine neue Schule - nachdem das Kindelein schon mehrfach versucht hat, Wünsche für den Unterricht zu äußern, die leider irgendwo verpufften. Und das, was ihr eben wirklich viel bedeutet, das gemeinsame Musizieren mit anderen, kann diese Musikschule nicht leisten. Zeit für Veränderung. Dieser Tage werden wir uns mal eine Unterrichtsstunde dort ansehen. Ich bin gespannt.
Das kleine Kindelein wünschte sich seit Wochen den Besuch des hiesigen Familienmusikfestes, auf dem diverse Instrumente - neben viel weiterem Programm des hiesigen Sinfonieorchesters - ausprobiert werden konnten. Zu Beginn jedoch ging gar nichts. Mal hier schauen, dort schauen. Aber sie fasste weder ein Instrument an, noch probierte sie es irgendwie aus. Nach dem Besuch einer Musikmärchenvorstellung gingen wir zum zweiten Mal in den Raum der Blechbläser, in dem ein Saxophonlehrer (Blechbläser? Ist das nicht auch ein Holzblasinstrument mit Blättchen am Mundstück?!) das Kind offensiv ansprach und zum Handeln brachte - und zack, hing ein kleines Saxophon um ihren Hals, dem sie einigen Töne entlockte. So war der Knoten geplatzt und sie testete noch die Gitarre, die Geige und das Cello. Heraus kristallisierten sich zwei Favoriten: Gitarre und Cello. So werden wir nächste Woche davon auch Unterrichtsstunden ansehen. Das Großartige daran ist, dass uns gegenüber eine Zweigstelle dieser Musikschule ist, in der beide Instrumente unterrichtet werden. Nachfrage für Klarinettenunterricht gibt es hier leider keinen, sodass das große Kind weiterhin mit dem Bus in die Innenstadt fahren müsste. Auch hier bin ich sehr gespannt, für welches Instrument das kleinere Kind sich entscheiden würde. Und ob dann am Ende der Wunsch nach mehr Tanztraining in der Woche oder das Musikinstrument gewinnen wird.

Samstag, 25. März 2017

Geburtstags- und Zeitdinge

Das grosse Kindelein feierte diesen Monat seinen Geburtstag. Zwölf Jahre ist sie bei uns, bereichert unseren Alltag und lässt mich oft staunen. Die Art der Geschenke wandelt sich mehr und mehr - allerdings war dieses Mal sogar wieder eine Art Spielzeug (Disko Roller) dabei. Ansonsten aber finden sich vorwiegend Wünsche nach Kosmetika, Kleidung und praktischen Dingen. Glücklicherweise wusste ich schon im Vorhinein, dass ihr der Stoff und der Schnitt des diesmal produzierten Nähteiles auf jeden Fall sehr gefallen. Es ist mit zunehmendem Alter der Kinder tatsächlich nicht mehr so leicht, selbige ohne explizite Stoff- und Schnittwünsche zu benähen. Aber es hat dieses Mal funktioniert:
Das große Mädchen bekam diesen Pulli - wie neulich erwähnt - in Größe 38, das kleinere Mädchen den gleichen in 152:

Wie jedes Jahr gab es den morgendlichen Geburtstagskranz - in Ermangelung ausreichender Plätze für die Kerzen - jedoch nur jeweils eine für zwei Lebensjahre.





Der Nachmittag gestaltete sich wie alle Geburtstagsnachmittage mit der Familie. Was etwas schwieriger geworden ist, seit wir unser Schlafzimmer in den Wohnraum verlagert haben. Vor allem  dank Patchworkfamilie, sind wir eben doch eine ganze Menge Menschen. Wenn auch nicht mal alle da waren.  

Wie groß die Kinder geworden sind, fiel mir heute nochmals auf - das große Nichtenkind feierte seinen 14. Geburtstag. Hier wird inzwischen ausschließlich Geld gewünscht, was das Nichtenkind zumeist in Pferdekram investiert. Sie teilt sich das Hobby mit dem Pferd-besitzenden leiblichen Opa und ist in vielen freien Minuten am Stall anzutreffen.

Es scheint manchmal, als sei kaum Zeit vergangen, seit die beiden auf der Welt sind. Und andererseits ist es für mich nicht mehr vorstellbar, wie es jemals ein Leben ohne meine Kinder gegeben hat. Es ist so selbstverständlich, so klar, dass sie da sind, als wäre es niemals anders gewesen. Erinnerlich ist mit die kinderlose Zeit zweifelsohne, und dennoch kann ich es mir kaum mehr vorstellen, dass es wirklich eine Zeit ohne sie gab.  Noch sind sie nah dran an mir, und ich an ihnen, auch wenn sie weiterhin selbständiger werden und ihre Wege gehen. Wer weiß, wie es einst wird, wenn sie diese Wege gänzlich ohne mich meistern werden - und mich hoffentlich im Kopf und Herzen als "immer für sie da seiend" wahrnehmen. Sie schreitet so ungeheuer schnell voran, die Zeit. Als seien diese zwölf Jahre mit der Erstgeborenen kaum mehr als ein paar Augenblicksblinzler gewesen.
Tatsächlich sind das solche Momente, die man sich als junger Mensch kaum vorstellen kann - wenn ein älterer - oder ein ganz alter erst recht - Mensch davon spricht, wie die Zeit rast. Seit einigen Jahren rast sie wirklich. Und ich bin sicher, sie wird es noch mehr tun, je mehr von ihr verstreicht.

Diese beiden Geburtstage waren der Auftakt des Geburtstagsmarathons im Frühling. Morgen folgt der Schwiegervater (der zum eigentlichen Geburtstag immer ausgeflogen ist, aber morgen wird nachgefeiert), dann folgen die Tante, HerrNebeL, mein Stiefvater und ich. Kurz darauf die Schwiegermutter, dann das kleine Nichtenkind und einen Monat später unser kleineres Mädchen. Und dann ist familientechisch erst mal wieder eine Weile Pause bis in den Herbst. Wir treffen uns also von Ende März bis Anfang Juli quasi ständig. In diesem Jahr mit der immer wieder aufblitzenden Frage, ob dies wohlmöglich die jeweils letzten erlebten Geburtstage des Stiefvaters werden, der seit letzten Herbst palliativ aufgrund einer Krebserkrankung behandelt wird. Wieder die Zeit... Egal, wieviel ihm noch bleibt, ich weiß, sie wird rasen. Vemutlich hat man am Ende niemals genug Zeit gehabt. Gedanken, die immer wieder durchblitzen - obwohl ich eigentlich versuche, den Moment zu sehen, zu leben und mitzunehmen. Das ist nicht immer einfach, auch dann nicht, wenn ich eigentlich dankbar sein müsste, für die viele Zeit, die er bis hierher hatte. Aber letzlich bleibt auch das am Ende egal, da der Verlust ein Verlust sein wird, der das Leben derer, die zurückbleiben verändern wird. 

Freitag, 10. März 2017

Gewohnheiten, Veränderungen und Ärzte

Ich bin wohl sowas wie ein Gewohnheitsmensch. Ich mag Gewohnheiten. Und bin manchmal sehr unentspannt, wenn Gewohnheiten durchkreuzt werden. Sie geben meinem Alltag sowas wie Sicherheit, Eckdaten, willkommene, weil wohlbekannte Gefühle. Mag sein, dass ich da an mancheer Stelle vielleicht so ein klitzeklein wenig zu gewohnheitslastig bin - aber nun.
Zu solchen Gewohnheiten  gehören beispielsweise "mein Platz" oder "meine Plätze" an wiederkehrenden Orten. Bei der Arbeit sind das beispielsweise der Stuhl im Teamraum, der im Stationszimmer, der in der Bibliothek. Die können möglicherweise variieren zu verschiedenen Anlässen. Morgens sitz ich oft in der Nähe der Kaffeemaschine, wenn ich mich denn dann in den Teamraum setze, mittags aber immer, IMMER am anderen Ende des Tischs. Und wenn ich später als andere komme, und mein Platz ist besetzt, bin ich unentspannt. Zögere, stehe Stunden Bruchteile von Sekunden schwer getroffen nachdenkend herum - und setz mich dann woanders hin. Übellaunig, weil: so geht das nicht, hier fühlt sich alles, ALLES falsch an. Falscher Blickwinkel, falsche Sitznachbarn, falsches Karma, falsche Sauerstoffzusammensetzung, sowas. Glücklicherweise achten die meisten Kolleginnen unausgesprochen tatsächlich darauf, dass mein Platz frei ist. Warum und wieso sei dahingestellt- eingefordert hab ich das nicht. Aber manch andere Kollegin hat auch "ihren Platz". Allerdings stehen die nicht drölfzig Sekunden komisch rum, wenn der mal belegt ist. 
In der Frühbesprechung auf Station ist es ähnlich, aber nicht ganz so schlimm. Aber wenn ich woanders sitze als gewohnt, fängt der Arbeitstag "unrund" an. Komme ich allerdings zwischendurch mal ins Stationszimmer und setze mich, ist mit der Platz tatsächlich völlig egal. Aber das "mal eben zwischendurch" ist in keiner Form so strukturgebend wie Besprechnungen oder Pausen.
Am allerliebsten habe ich auch "meine" Parkplätze auf den Parkplätzen der gewohnten Supermärkte. Tendenziell viel weniger schlimm, wenn die belegt sind, aber ich gehe wirklich lieber einkaufen, wenn ich da stehen darf, wo ich am meisten stehe.
Gewohnt ist auch das Mittagessen. Zumindest bei der Arbeit. Am wohlsten fühle ich mich tatsächlich mit einer Tütensuppe - ja, immer dieselbe, und ja, vollkommen indiskutabel kein bisschen gesund - und einem Laugengebäck. Hier gibts allerdings immerhin 3 Varianten in der Sorte. Nachdem mir eine liebe Freundin neulich ganz verstohlen, aber bestimmt einen schriftlichen Tadel  bezüglich ebendieser Fertigprodukte zukommen ließ, habe ich beschlossen, diese Gewohnheit mal ein wenig zu lockern und esse Suppen vor allem an sicherheits- und routinebedürftigen Tagen.  
In mir bekannten Restaurants esse ich prinzipiell dasselbe. Damit ich weiss, was auf mich zukommt und bitte danke auf keinen Fall von irgendetwas überrascht werde. Oder enttäuscht.  Oder beides. Wider dem besseren Wissen, dass es mich durchaus auch positiv überraschen könnte.
Der Alltag ist prinzipiell sowieso gewohnt. Zumindest wochenweise immer dasselbe und dasselbe. Aber auch da bin ich letzlich doch flexibler als bei der Sitzplatzwahl :-).

Für jeden wird an dieser Stelle vorstellbar sein, was ich gar kein bisschen mag: Veränderung. Alles Gewohnte ist vertraut, alle Veränderung erst mal doof. Falsch. Unbehaglich. Unsicher. Bedrohlich - weil: ich kenns ja nicht. Und weil ich das Gewohnte so sehr mag, WILL ich die Veränderung gar nicht erst kennenlernen. Spätestens an dieser Stelle kommt die Krux hinzu - denn so fein es auch ist, sich dank alltäglicher Gewohnheiten durchs Leben zu bewegen, so schwierig ist das allzu starke Fixieren auf ebendiese, weil sich in Wahrheit ja stets etwas verändert. An mancher Stelle bin ich Veränderung wiederum gewöhnt - die Patienten, die ich behandele, befinden sich naturgegeben in einem ständigen Kommen und Gehen. Absolut unproblematisch - das war ja schon immer so und sorgt durchaus auch für willkommene Abwechslung. Aber das Drumherum ist weitestgehend stabil. Natürlich kommen und gehen auch die KollegInnen in regelmäßigen Abständen. Aber zum einen nicht stets und zum anderen ist meistens der ich nenn es mal "innere Kreis" recht stabil.
Meistens. 
Gerade aber  geht mir so ein klein wenig die Flatter. Die Stationsärztin, die ich recht lieb gewonnen habe, mit der ich gerne arbeite, die ich für sehr fähig mit dem Patientengut auf unserer Station umzugehen halte - ach was sie IST einfach fähig - wird in ein paar Tagen gehen. Und ganz abgesehen davon, dass ich sie ihretwegen einfach vermissen werde, wackelt schon jetzt das gewohnheitsliebende-veränderungsablehnende Konstrukt ganz gewaltig - dabei ist sie noch da. Und um es noch ein wenig mehr ins Wanken zu bringen, geht der eben immer schon dagewesene Oberarzt - den ich auch sehr schätze, zweifelsohne, wenn auch ganz anders - in 2,3 Monaten in Rente. Mein kompletter Arbeitsalltag verliert damit derzeit massiv an Stabilität. Der "innere Kreis" verliert wichtigste Mitglieder sowohl für mich persönlich, als sicher auch für die Kollegen und sehr bedeutsam: die Arbeit auf der Station, die ein klein wenig besonders ist, verliert tragende Pfeiler. Und dass ich den Arzt, der vertretungsweise die oberärztlichen Tätigkeiten auf unserer Station übernehmen wird, nicht so wirklich als Sympathieträger bezeichnen würde, machts mir nun nicht einfacher. Ganz davon abgesehen, dass ich kaum glaube, dass es bereits auch nur einen Plan für die Stelle der Stationsärztin gibt.
Dieser Stabilitätsverlust fällt noch dazu auf viele größere und kleinere Baustellen in meinem arbeitsfernen Alltag, die viel Verwirrung, Sorgen und Ängste nach sich ziehen, was die Gesamtsituation nicht gerade verbessert.
Ich schwanke gerade noch ein bisschen zwischen drohender Dekompensation, KopfindenSandstecken, "Alles wird gut" Mantras und hysterischem Dauergelächter.  Hoffen tue ich allerdings dabei insgeheim auf: "Ich mach einfach weiter und such mir neue Gewohnheiten". 
Kann ja nicht so schwer sein. 
Hoffentlich.